Bearbeitungsstand: 21.06.2017

Tagesablauf im Lager Bilohe

[Lw. 2/XI - Muna Lübberstedt, S. 117f]
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* Morgenappell auf dem Appellplatz vor der Küchenbaracke bei Regen in der Baracke, im Sommer zwischen vier und fünf Uhr

* Frühstück (ein Viertel eines Kommissbrotes, etwas Marmelade, ein Stückchen Margarine, ein halber Liter "einer warmen, braunen Brühe, dem 'Kaffee'") - es galt, die Lebensmittel einzuteilen: wenn man sich die Ration vom Abend vorher aufbewahrt hatte, konnte man das Brot vom Morgen auf den Tag verteilen.
* Baracken säubern, Betten bauen, Körperpflege
* Abmarsch zur Arbeit um sechs Uhr - die Häftlinge legten den Weg zur Muna unter Begleitung von Wehrmachtssoldaten und SS-Aufseherinnen singend (auf deutsch!) zurück, sie waren mit Stricken um den Bauch zusammengebunden, die Holzpantinen erschwerten das Marschieren, das Klappern der Holzgaloschen war weithin zu hören. Hin und wieder wurde den Frauen auf dem Weg zur Arbeit etwas Essbares zugesteckt (siehe: Menschliches Handeln).
* Die Kleidung bestand aus den im KZ Auschwitz erhaltenen Kleidungsstücken, die Ärmel waren an den Kleidern untereinander ausgetauscht, um die Frauen als KZ-Insassinnen kenntlich zu machen.
* Arbeit bis zum späten Nachmittag mit halbstündiger Mittagspause (in der Muna, weil Bilohe zu weit entfernt war) oder in zwölfstündigem Schichtdienst
* Mittagessen (ein Liter Rübensuppe, manchmal mit Pferdefleisch oder eine Ration kleine saure Heringe)
* Rückmarsch zum Lager in Bilohe, zu Fuß - öfters mit Schlägen
* Abendappell - oft mit Durchsuchung nach versteckten Lebensmitteln - stimmte die Zahl der Häftlinge nicht mit den Papieren überein, dauerten die Strafappelle oft mehrere Stunden.
* Abendessen (ein Viertel Kommissbrot, etwas Margarine, etwas Wurst oder einen Löffel Quark - manchmal eine warme Suppe)
* Gespräche, Reparatur der Kleidung, Körperpflege


„Die Verpflegung war nie ausreichend, dennoch fand ein Tausch gegen andere Vergünstigungen statt. So wurde z.B. im Winter eine warme Suppe gegen einen der begehrten Plätze am warmen Ofen oder der Heizung getauscht. Aufgrund der kurzen Nachtruhe und der schlecht beheizten Baracken konnte die bei Regen naßgewordene Kleidung nur schwer oder gar nicht getrocknet werden.“
[Lw. 2/XI - Muna Lübberstedt, S. 118]


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Literatur: Barbara Hillmann, Volrad Kluge, Erdwig Kramer: Lw. 2/XI – Muna Lübberstedt – Zwangsarbeit für den Krieg. Unter Mitarbeit von Thorsten Gajewi und Rüdiger Kahrs. Edition Temmen, Bremen 1995, ISBN 3-86108-254-3.

CD DIE MUNA LÜBBERSTEDT - EIN RELIKT DES II. WELTKRIEGS, eine Dokumentation des Arbeitskreises Muna Lübberstedt e.V., erhältlich beim Arbeitskreis