Bearbeitungsstand: 21.06.2017

Kriegsgefangene und Fremdvölkische

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Kriegsgefangene

„Es kann nicht schaden, wenn sich die Bevölkerung diese Tiere in Menschengestalt ansieht, zum Nachdenken angeregt wird und feststellen kann, was geworden wäre, wenn diese Bestien über Deutschland hergefallen wären.“ - so der Bürgermeister von Wietzendorf 1941 an den Landrat in Soltau.

[Beiträge zur Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung in Norddeutschland, Bremen 1994, S. 40, in: Lw. 2/XI - Muna Lübberstedt, S. 54]


Kriegsgefangene wurden in Stammlagern (Stalags) und Offizierslagern (Oflags) erfasst. Das Stalag X B in Sandbostel war in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt Wesermünde seit Kriegsbeginn auch im Bereich Lübberstedt die Einsatzzentrale für Tausende von Kriegsgefangenen. Schon 1939 wurden 50 polnische Kriegsgefangene für Arbeiten in der Landwirtschaft im Gasthaus Brünjes in Axstedt untergebracht.[Lw. 2/XI - Muna Lübberstedt, S. 56] Auch Belgier und Franzosen waren dort einquartiert.

Brünjes Gasthaus
Eingang zum Gasthaus Brünjes in Axstedt
Das Schild links am Baum trägt die Aufschrift "Krg.Gef.arbeits-Kommando 296 Axstedt".

„Die Unterbringung im Hause des Gastwirts Georg Brünjes zahlte sich ... aus. Georg Brünjes war im Ersten Weltkrieg in französischer Gefangenschaft gewesen und hatte daher Verständnis für die Gefühle und die Situation des Gefangenen. Er machte sogar Erinnerungsfotos von J.A. und seiner Gruppe, ließ die Bilder entwickeln und im Stalag X B Sandbostel kontrollieren. Über die Wachen erhielt er sie zurück.“
[Lw. 2/XI - Muna Lübberstedt, S. 60]


Im Tanzsaal des Gasthauses von Rönn in Hambergen waren serbische Kriegsgefangene untergebracht. Bewacht wurden sie von einem einzigen Soldaten. Er kam morgens mit dem Fahrrad, weckte die Gefangenen um 6 Uhr, schickte sie zur Arbeit und fuhr abends nachdem er sie eingeschlossen hatte, wieder nach Hause. Eine Bewachung während der acht Stunden Arbeit - meist bei Bauern, aber auch bei einem Kohlenhändler - gab es nicht.

„Aus der Sowjetunion kamen mehr Kriegsgefangene nach Deutschland als aus allen anderen Ländern zusammen.“ [Lw. 2/XI - Muna Lübberstedt, S. 62]

In der Bevölkerung gab es Versuche, den Gefangenen z.B. mit Stiefeln zu helfen, aber "da waren ja die unmenschlichen Vorschriften, daß man ihnen nichts geben durfte".[Lw. 2/XI - Muna Lübberstedt, S. 62] Zum Ende des Krieges war die Versorgung der Kriegsgefangenen schlecht, obwohl sie schwere Arbeit leisten mussten.
„Für die meisten Menschen in Axstedt und Lübberstedt bestand kein Zweifel darüber, wie sich die sowjetischen Kriegsgefangenen verhalten würden, sobald sie nach Kriegsende frei wären. Jeder malte sich die Schrecken aus, gut vorbereitet durch die Greuelpropaganda von den 'barbarischen Bolschewiken' und das eigene schlechte Gewissen.“

[Lw. 2/XI - Muna Lübberstedt, S. 65]
Die russischen Kriegsgefangenen sollen zum Kriegsende zum Sammellager in Nordholz abtransportiert worden sein. Mehrere Quellen und Zeitzeugen berichten auch von italienischen Militärinternierten.

Fremdvölkische

„Im Herbst 1944 stand an fast jedem dritten Arbeitsplatz des Deutschen Reiches eine ausländigsche Arbeitskraft. ... Ein Großteil der in den ersten Kriegsjahren im Deutschen Bereich beschäftigten Ausländer hatte sich bereits vor 1939 freiwillig zum Arbeitseinsatz in Deutschland verpflichtet. ... Nach Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion wurde von der Reichregierung auch der Einsatz von Arbeitskräften aus den besetzten Ostgebieten, vornehmlich in der Rüstungsindustrie, angeordnet.“

[Lw. 2/XI - Muna Lübberstedt, S. 70]

Im Februar 1942 wurde mit dem Ostarbeiter-Erlass das Leben der ausländischen Arbeiter geregelt. Die "angeworbenen" Ostarbeiter waren dem Prinzip der "Vernichtung durch Arbeit" im Wesentlichen ebenso schutzlos wie die Kriegsgefangenen ausgesetzt.[Lw. 2/XI - Muna Lübberstedt, S. 73]


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Literatur: Barbara Hillman, Volrad Kluge, Erdwig Kramer: Lw. 2/XI – Muna Lübberstedt – Zwangsarbeit für den Krieg. Unter Mitarbeit von Thorsten Gajewi und Rüdiger Kahrs. Edition Temmen, Bremen 1995, ISBN 3-86108-254-3.

CD DIE MUNA LÜBBERSTEDT - EIN RELIKT DES II. WELTKRIEGS, eine Dokumentation des Arbeitskreises Muna Lübberstedt e.V., erhältlich beim Arbeitskreis