Bearbeitungsstand: 09.01.2013

"MUNA Lübberstedt"

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Karte Überblick

Die Lufthauptmunitionsanstalt Lübberstedt (umgangssprachlich Muna Lübberstedt) war eine zwischen 1936 und 1945 bestehende Munitionsanstalt der deutschen Luftwaffe im Bremer Wald zwischen Lübberstedt und Bilohe im heutigen Landkreis Osterholz. Die genaue Bezeichnung lautete Lufthauptmunitionsanstalt 2/XI Lübberstedt, was 2. Muna im Luftgau-Kommando XI (Hamburg) bedeutete. Von August 1944 bis April 1945 gehörte ein Außenlager des KZ Neuengamme zu der Muna. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Gelände in den Händen britischer und amerikanischer Truppen und wurde später von der Bundeswehr übernommen.

Im Herbst 1939 begann der Bau der MUNA. Es wurde in Axstedt und Lübberstedt bekannt, dass "im Walde jenseits der Albstedter Straße von der Luftwaffe ein Munitionslager und Anstalt gebaut werden sollte.[Lw. 2/XI - Muna Lübberstedt, S. 13] Im Dezember 1939 wurde in einer leerstehenden Lehrerdienstwohnung in Axstedt ein Büro der Bauleitung eingerichtet.

Bausoldaten
Ein Baubataillon der Luftwaffe und Abteilungen des Reichsarbeitsdienstes machten sich an die Arbeit. Ein erstes Barackenlager war am 1. Februar 1940 bezugsfertig. Fremdarbeiter aus ganz Europa sowie Axstedter und Lübberstedter Bauern mit Traktoren und Pferdegespannen wurden eingesetzt. Im Herbst 1940 wurde die Billerbeek in Axstedt begradigt und vertieft, um die Muna zu entwässern. Der zusammenhängende Kernbereich wird mit 420 Hektar angegeben.[Lw. 2/XI - Muna Lübberstedt, S. 18] Die Produktionsgebäude wurden am 3. Mai 1945 gesprengt. Nach Zeitzeugenangaben und Besichtigung der Reste gehörten 22 Gebäude zur Füllanlage. 102 erdummantelte Betonbunker hat es für auf Abruf lagernde und in der Muna gefertigte Sprengstoffe gegeben. Das Wasser für die Produktion wurde aus zwei 1938/39 gebohrten 26 Meter tiefen Brunnen gewonnen. Für die Unterkünfte gab es ein eigenes Wasserwerk. Eine spezielle Kläranlage zur Entsorgung der mit Chemikalien verunreinigten Gewässer gab es nicht. Im Gelände war ein Straßennetz von 30 Kilometern vorhanden. Die Gesamtlänge der Eisenbahngeleise beträgt 7,6 km. Das Nebengleis der Bahn verläuft durch die Anlage - mit mehreren Verzweigungen zu verschiedenen Laderampen.

Das Herzstück der Lübberstedter Muna war die Füllanlage. Die Granaten- und Bombenhüllen wurden für das Füllen mit Sprengstoff vorbereitet. Als Material für die Füllung diente ein Gemisch mehrerer Substanzen. Der Hauptanteil war TNT, das pulverförmig mit der Bahn angeliefert wurde. Bei etwa 90 Grad wurde es in einem Mischkessel geschmolzen und mit Salpeter, als Sauerstoffträger, gemischt. Die Mischung wurde durch isolierte Rohre gleichzeitig in 16 Granaten abgefüllt, der Vorgang dauerte etwa eine Minute. Nach Reinigung und Abkühlung erhielten die Granaten einen Zünder. Im Fallschirmhaus wurden die für Seeminen bestimmten Fallschirme gepackt. Woher das Material dafür stammte, ist nicht bekannt. "Bei einem Gesamtgewicht von 1.000 kg pro Mine müssen gewaltige Fallschirmflächen bewegt worden sein."[Lw. 2/XI - Muna Lübberstedt, S. 38]

Pulvermühle
In der "Pulvermühle" wurde Sprengstoff aus fehlerhafter Munition ausgebohrt und zerkleinert - ein Abfallsprengstoff zur Wiederverwendung. Nach dem Krieg wurde dort alte Munition verbrannt. Das gesprengte Gebäude aus dicken Stahlbetonmauern ist als Ruine erhalten.
[Lw. 2/XI - Muna Lübberstedt, S. 22]



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Literatur: Barbara Hillmann, Volrad Kluge, Erdwig Kramer: Lw. 2/XI Muna Lübberstedt Zwangsarbeit für den Krieg. Unter Mitarbeit von Thorsten Gajewi und Rüdiger Kahrs. Edition Temmen, Bremen 1995, ISBN 3-86108-254-3.